"Nasebohren ist echt nicht dienlich bei der Prinzenwahl"

Mehr als 30 Aufführungen machten Kreuzpaintner und Juretschka Oschnputtl das Leben schwer

Mehr als 30 Auftritte lang waren sie die bösen Stiefschwestern, dann gaben sie ihre Rollen ab. Wir haben mit Veronika Kreuzpaintner und Carolin Juretschka gesprochen und wollten vor allem erfahren: Wenn man so lange böse Charaktere spielt - färbt das nicht ab ins echte Leben?


Bei Oschnputtl (wie auch beim übrigens viel weniger bekannten Ableger „Aschnputtl“) geht es darum, dass drei Frauen den Prinzen wollen. Ist das nicht albern? Was ist so toll am Prinzen?


Vroni: Du bist ja nur neidisch...
Caro: Das ist ganz einfach: Weil Mädchen immer Prinzessin sein wollen und Prinzen sicher einen Haufen Kohle auf dem Girokonto haben (lacht). Und das käme der faulen Stiefschwester natürlich wunderbar gelegen!

 

Man kann von den Stiefschwestern also fürs Leben lernen?


Caro: Naja, wer hat schon gern ein Vorbild, das immer irgendwie blöd schaut, nicht gerade eine Leuchte ist und ständig in der Nase bohrt? Ah, vielleicht das: Man kann von Vanessa lernen, dass Nasebohren echt nicht dienlich ist bei der Prinzenwahl.
Vroni: Von Elvira kann man lernen: Eingewachsene Zehennägel sollte man niemals mit einer Heckenschere behandeln lassen. Ansonsten ist sie wirklich in keiner Weise ein Vorbild.
Caro: Naja... Vanessa hat einen unerschütterlichen Willen, den Prinzen doch noch zu bekommen. Das imponiert mir doch sehr.

 

Sehr skeptisch stehen die Stiefschwestern den Vorgängen im Hause Puttl gegenüber


Ihr habt bei „Oschnputtl“ gemeinsam mehr als 30 Mal die bösen Stiefschwestern gespielt – über mehrere Jahre hinweg. Färbt das nicht ab ins echte Leben?


Caro: Ganz klare Antwort: Nein!
Vroni: Zum Glück nicht, muss man sagen. Es war aber eine Riesengaudi, mal in einen völlig anderen Charakter zu schlüpfen.

 

Ihr konntet also eure dunkle Ader mal ausleben?


Vroni: Das Musical ist ja noch viel mehr. „Auch du kannst Teil vom Märchen sein“, heißt es im Stück. Und für uns bedeutet das: Wir werden immer ein Teil vom Märchen bleiben. Über die ganze Zeit gab es viele nette Begegnungen mit wunderbaren Kollegen und tollen Musikern. Einige sind echte Freunde geworden. Mal fahren wir in den Urlaub nach Italien oder Österreich. Manchmal machen wir auch „Familienausflüge“, mit Maria Stief.
Caro: Wir waren einfach eine richtige Familie. Das fängt schon damit an, dass wir zwei Stiefschwestern eh wie echte Schwestern sind. Wir haben zum Beispiel im Hotel immer im Doppelzimmer übernachtet, sind gemeinsam zu den Spielorten gefahren. Im Auto haben wir noch Texte gelernt und Liedpassagen geübt. Oder auch backstage! Da haben wir die lustigsten Sachen erlebt. Aber das würde jetzt zu weit führen...

 

So schlau, wie sie denken, ist der Plan der Stiefs dann doch nichtNein, gar nicht. Was ist da so passiert?


Caro: Hm, also die ausverkaufte Fraunhofer-Halle in Straubing mit 1500 Leuten...
Vroni: Am Nachmittag war die natürlich noch ganz leer. Ein Meer an blauen Stühlen war das.
Caro: Die Halle ist so groß, hinter der Bühne fühlt man sich wie in einem Labyrinth. Wenn wir grad Spielpause hatten, haben wir uns gar nicht getraut in die Umkleide zu gehen. Wir hatten Angst, dass wir uns verlaufen und nicht rechtzeitig zur nächsten Szene wieder da sind. Drum haben wir einfach immer hinter der Bühne gewartet.
Vroni: Auch auf der Bühne ist viel Schmarrn passiert, ohne dass es ein Zuschauer mitgekriegt hätte. Einmal hat sich Caro, ohne es mir zu sagen, bei einem Stoß auf den Boden fallen lassen und die Beine in die Höhe gestreckt. Da hab ich nur noch ihr weißes, mittelalterliches Kostum-Höschen gesehen. Ich musste so lachen und konnte erst mal nicht weiterspielen. Und einmal hast du mir einen Popel ans Kleid geschmiert, da musste ich mich auch sehr zusammenreißen...

 

Erbsen, Erbsen, immer wieder ErbsenWie habt ihr euren letzten gemeinsamen Auftritt erlebt?


Caro: Das war total emotional. In Dingolfing war das. Ich konnte Katrin, unsere supermegabombastische Visagistin gar nicht begrüßen, weil sie Tränen in den Augen hatte. Sie wollte nicht, dass wir das sehen. Dabei ging's uns ja genauso. Den ganzen Nachmittag musste Katrin dann kämpfen, dass unser Makeup an Ort und Stelle blieb – weil wir ständig Heulattacken hatten.
Vroni: Als wir uns das letzte Mal gemeinsam verbeugt haben, war das echt ein sehr bewegender Moment. Eigentlich ist es ja immer so geplant, dass ganz am Schluss jeder Darsteller allein von der Bühne geht, allein seinen Applaus abholt.
Caro: Aber wir sind gemeinsam zum ersten Mal rauf auf die Bühne, und gemeinsam sind wir wieder runter. Drama pur also! Ich krieg jetzt noch feuchte Augen, wenn ich an diesen Moment denke.

 

Wärt ihr wieder dabei, wenn es wieder ein Märchen-Musical gibt?


Vroni: Das war eine wahnsinnige Bühnenerfahrung. Ich wäre auf alle Fälle wieder dabei.
Caro: Wenn es so etwas wie „Oschnputtl“ wieder gäbe – klar wär ich dann wieder dabei. Wer weiß, vielleicht machen wir ja in 20 Jahren ein Revival. In meine Rolle als Vanessa könnte ich auf Knopfdruck wieder springen. Von den Dialogen und vom Scheinwerferlicht träume ich ja jetzt noch ab und zu.

Ein Herz und eine Seele - und zwar eine ziemlich fiese Seele

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